Geschichtswerkstatt Rückblende

Geschichtswerkstatt Rückblende


Dauerausstellung:
„Deutsch-Jüdisches Leben in unserer Region im  Laufe der Jahrhunderte“
– eine Ausstellung der besonderen Art –
wo?
in 34471 Volkmarsen, Kasseler Str. 6

Geöffnet: an jedem 1. Sonntag im Monat von 14:00 bis 16:30 Uhr
und auch zu anderen Zeiten nach vorheriger Terminvereinbarung (z.B. für Vereine, Gruppen und Schulklassen etc.)

Liebe Gäste!
Unsere Ausstellung verstehen wir nicht als „Museum“ im üblichen Sinne sondern als Lernort für Jung und Alt. Wir wollen Wissen vermitteln und zum Nach-Denken anregen.

Bei der Gestaltung unserer Ausstellung haben wir uns bemüht, den Besuchern einen Überblick über die gesamte Bandbreite deutsch-jüdischen Lebens in unserer Region zu ermöglichen.

Das Angebot an Informationen zu den verschiedenen Zeitabschnitten und Ereignissen ist dadurch so umfangreich, dass man während  e i n e s  Besuches bei weitem nicht alles aufnehmen kann.

Wir empfehlen daher unseren Besuchern, immer wieder einmal in unsere Ausstellung zu kommen und sich jedes Mal mit einem anderen Themenkreis zu befassen.

 

Die meisten Ausstellungstafeln sind dreilagig angelegt:
Auf der Außenseite finden Sie hauptsächlich Kurzinformationen zu einem bestimmten historischen Ereignis oder zu einer bestimmten Person.
Wenn Sie die vordere Tafel aufklappen, werden Sie auf beiden Innenseiten dann ausführliche Texte, Dokumente etc. finden.

Was wir erreichen wollen


Mit unserer Geschichtswerkstatt wollen wir erreichen, dass es keine „weißen Flecken“ mehr in der regionalen Geschichtsschreibung gibt und dass ein Verdrängen, Verfälschen und Verleugnen wesentlicher Teile unserer Geschichte nicht mehr möglich ist.

Wir hoffen, dass diese „Rückblende“ uns alle sensibler für die Probleme der Gegenwart macht und uns einen Weg in die Zukunft weist, in dem die gegenseitige Achtung aller Menschen selbstverständlich ist.

Unsere Ausstellung berichtet zum überwiegenden Teil vom Leben und Sterben der ganz normalen Menschen, die nicht in den Geschichtsbüchern stehen, von Menschen, die einmal die Nachbarn unserer Eltern und Großeltern waren und später (fast) vergessen wurden.

Für die Frauen, Männer und Kinder, die verschleppt und ermordet wurden, für die es nie einen Grabstein irgendwo gab, haben wir versucht, ihnen wenigstens ihren Namen und ihre Identität wiederzugeben.

Den in alle Welt verstreuten ehemaligen jüdischen Einwohnern, die ihr Leben durch die Flucht aus Nazi-Deutschland retten konnten und uns später zu Freunden geworden sind, gilt unserer besonderer Dank.
Nur durch ihre Bereitschaft, uns ihre Lebens- und Familiengeschichte anzuvertrauen, uns wertvolle Fotos und Dokumente zu überlassen, war die Gestaltung unserer Ausstellung überhaupt erst möglich.

Ausstellungsgliederung


Raum 1:

  • Überblick über die ehemaligen Gemeinden  in den  Dörfern und Städten der Region.

    12.05.2010: Dr. h.c. Joachim Gauck im Gespräch mit Ernst Klein

Raum 2:

  • Zeittafel zur jüdischen Geschichte
  • Die ersten Gemeinden am Rhein
  • Zeittafel zur Geschichte der jüdischen Gemeinde Volkmarsen
  • Wohn- und GeschäftshäuserSynagoge, Schule
  • Darstellung der jüdischen Feiertage
  • sakrale Gegenstände, Erinnerungsstücke
  • Informationen über die 500 Jahre alte Schachtmikwe am Steinweg

 


Raum 3: November 1938

Die Ereignisse im November 1938 waren ein vorläufiger – für alle Deutschen e r k e n n b a r   f u r c h t b a r e r  –  Höhepunkt in der Entwicklung zu millionenfachem Mord und einem alles ins Verderben reißenden verbrecherischen Krieg.In diesen düsteren Tagen unserer Geschichte hat sich die Gesellschaft in Deutschland moralisch selbst ruiniert, weil sie nicht Einhalt gebot, nicht der Ungesetzlichkeit und dem rassistischen Ungeist das Handwerk legte.
Spätestens in den Tagen und Nächten des November 1938 wurde die damalige Gesellschaft m i t v e r a n t w o r t l i c h  für Massenmord, Ruinen, Schutt und Asche in Europa.Doch es gab nicht nur Zerstörung von Gebäuden, sondern auch Verwüstungen und Zerstörungen in den Köpfen und Herzen der Menschen, die zum Teil bis h e u t e  noch nicht beseitigt sind.

Deshalb soll diese Ausstellung für  u n s  a l l e   auch Anregung sein zur Auseinandersetzung mit den immer noch bestehenden Problemen von Vorurteilen, Diskriminierung und Gewalt, mit den grundsätzlichen Fragen des Umgangs von Menschen mit Menschen, zu den Fragen nach Menschwürde, Gleichberechtigung und gegenseitiger Achtung.

Nachstellung des am 9.November 1938 verwüsteten Zimmers der Familie Lichtenstein nach der Beschreibung im Brief vom 10.01.1939 von Ilse Meyer Lichtenstein

 

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Nähmaschine aus der ehemaligen Werkstatt des Schneidermeisters Meinhard Lichtenstein

 

 

 


Raum 4:

  • „Überleben in Stadt und Land“
  • Geleitbriefe (Beruf / Handel  Handwerk
  • Bürgerrechte – Emanzipation
  • Änderung der Familiennamen
  • Hausbesitzer, Bürgergarde,
    Die ganz normale Gemeinsamkeit“  Nachbarn, Sportfreunde, Schulkameraden, Schützenbrüder, Kriegskameraden
  • „Hachschara“-Ausbildungslager in Volkmarsen-Külte
  • Volksverhetzung durch NS-Leitung „der Stürmer“
  • Boykotte / Enteignung / Ausplünderung  – Zwangsweise Annahme der Vornamen „Sara“ und „Israel“


Raum 5:

Aus dem Leben der Familien Bernstein und Hüneberg
Zeitzeugenberichte aus dem Ghetto Theresienstadt

Erinnerung des Herrn Otto Berstein: Volkmarsen – Moskau – Sibirien – Berlin – Theresienstadt – Australien


Raum 6:

  • Lebenserinnerungen / Biografien
  • Denunzianten und Profiteure
  • Mutige Menschen in der NS-Zeit
  • Leben und Sterben der Familie Lichtenstein
  • Die jüdischen Friedhöfe
  • Flucht / Auswanderung
  • Neuanfang in Shavei  Zion / Familie Alsberg
  • Die Irrfahrt des Flüchtlingsschiffes „St. Louis“  (Walter Hüneberg)

 

 

 

 

 

 

  • Erinnerungen jüdischer Kinder

 

 

 

 


Raum 7:

  • Verfolgung – Ausgrenzung – Deportation
  • Ermordung in den Vernichtungslagern
  • „Entnazifizierung“, Spruchkammerverfahren, „Wiedergutmachung“
  • „Eine neue Brücke wird gebaut“
  • Begegnungen, Besuche, Auszüge aus den Briefen der
    jüdischen Gäste

Die ungeheuerlichen Verbrechen während der nationalsozialistischen Herrschaft haben tiefe Gräben gerissen zwischen den jüdischen und nicht jüdischen Menschen in Deutschland.
Wir können diese Gräben nicht zuschütten, wir sollten dies auch nicht tun, denn die Opfer dürfen nicht vergessen werden und auch die Verbrechen nicht.
Aber wir müssen weiter versuchen, Brücken zu bauen, um damit die Gräben der Vergangenheit zu überwinden.
Viele Brücken, die uns alle auf dem langen Wege des besseren
Kennenlernens und Verstehens, auf dem Weg der gegenseitigen Achtung und endlich auf dem Weg der Versöhnung zur freundschaftlichen Zusammenarbeit führen.

 


 

„Deutsch-Jüdisches Leben in unserer Region im Laufe der Jahrhunderte“

Unsere Dauerausstellung im Rückblick:

Die Ausstellung wurde in den vergangenen Jahren von zahlreichen Gästen aus allen  f ü n f  Erdteilen und über 30 verschiedenen Ländern besucht,     z.B.

Abu Dhabi, Argentinien, Australien, Belgien, Chile, China, Großbritannien, Indien, Irland, Israel, Italien, Japan, Kanada. Liechtenstein, Madagaskar, Niederlande, Palästina, Österreich, Polen, Russland, Schottland, Serbien, Südafrika, Südkorea, Spanien, Schweiz, Ungarn, Vereinigte Staaten von Amerika
(und hier aus über 20 verschiedenen Bundesstaaten wie Georgia, Illinois, New York, New Jersey, Massachusetts, , Pennsylvania, Maryland, Florida, Kentucky, Wisconsin, District of Columbia, Virginia, Kalifornien, Oregon, Washington, Minnesota, Hawaii, Vermont, Connecticut).

Ein Teil der ausländischen Besucher stammt aus jüdischen Familien, die früher in unserer Region ansässig waren und von unserem Verein eingeladen wurden.
Darüber hinaus waren auch zahlreiche Historiker, Genealogen, Wissenschaftler, Studierende, Repräsentanten verschiedener Organisationen und Gedenkstättenleiter aus dem Ausland bei uns zu Gast.

Die inländischen Gäste kamen zum größten Teil aus der Region, aber auch aus vielen anderen Gegenden unseres Landes, unter ihnen Historiker, Buchautoren, Denkmalspfleger und Bauforscher, Gedenkstätten-Mitarbeiter sowie Bundes- und Landespolitiker.

Für viele Emigranten, Holocaust-Überlebende, Historiker, Genealogen, Künstler, Angehörige deutscher Widerstandskämpfer, Politiker und weitere Repräsentanten des öffentlichen Lebens, Schulen, Vereine und Kirchengemeinden war die Kleinstadt Volkmarsen wegen unserer Ausstellung und unserer Arbeit „gegen das Vergessen“ eine Reise wert.

Ein besonderer Anziehungspunkt für zahlreiche Besucher ist seit Anfang 2014 die unter Leitung von Ernst Klein wiederentdeckte und in Zusammenarbeit mit dem Amt für Denkmalspflege und dem Institut für Bauforschung freigelegte ca. 500 Jahre alte Schachtmikwe (jüdisches Ritualbad) in einem Gewölbekeller aus dem 13. Jahrhundert.

Öffentliche Wahrnehmung:
Unsere Aktivitäten wurden in einer Vielzahl von Beiträgen der Regionalen Presse dargestellt, fanden aber auch starke Beachtung in der überregionalen Presse wie z.B. „Jüdische Allgemeine“, „Juden in Europa“, Mitgliederzeitschrift „Gegen Vergessen – Für Demokratie“ und andere mehr. Auch in ausländischen Zeitungen wurde vielfach über unsere Aktivitäten berichtet, z.B. „The Courier-Journal“ in Louisville/USA, „Aufbau“ New York, „Israel Nachrichten“ Jerusalem, „Semanario Israelita“ Buenos Aires
In den dritten Programmen des Hessischen Rundfunks und des WDR wurde in drei Fernsehsendungen über die Ausgrabung der Mikwe berichtet.