Holocaust-Gedenktag 27. Januar 2021

In den letzten Jahren konnten wir uns am jüdischen Friedhof in Volkmarsen treffen und gemeinsam dem Ende des 2. Weltkrieges gedenken. In diesem Jahr mussten wir andere Möglichkeiten finden. Wir hatten dazu eingeladen, Kerzen an der Mauer zu entzünden und Steine abzulegen. Die schön beleuchtete Mauer können Sie auf den Bildern sehen.

Film: Rundgang über den Jüdischen Friedhof in Volkmarsen

Jüdischer Friedhof Volkmarsen

Auf dem jüdischen Friedhof in Volkmarsen waren im Jahr 1938 noch 118 Gräber und Grabsteine vorhanden. Ende 1938 wurde der Friedhof von nationalsozialistischen Gewalttätern verwüstet, alle Grabsteine wurden zerschlagen und zum Teil zur Wegebefestigung verwendet. Nach dem Krieg wurden auf behördliche Anordnung die Reste der zerschlagenen Grabsteine wieder ausgegraben und aufgesammelt.

Nach längerer Vorbereitung hat der Verein Rückblende Gegen das Vergessen auf Initiative von Ernst u. Brigitte Klein eine völlige Neugestaltung des Eingangsbereichs am jüdischen Friedhof vorgenommen.

Direkt an einem stark frequentierten Rad- und Fussweg, an einer stark befahrenen Landesstrasse wurde eine ca. 18 m lange Mauer zum Gedenken an die ermordeten jüdischen Bürger der Stadt errichtet.

Die zum Bau der Mauer verwendeten hellen Sandsteine wurden aus Polen beschafft als symbolische Brücke zu den in Polen liegenden, während der Gewaltherrschaft im 2. Weltkrieg dort errichteten, Vernichtungslagern, in denen die Volkmarser Juden ermordet wurden.

Auf Anregung des Künstlers Dr. Horst Hoheisel, Kassel, wurden innerhalb des Mauerwerks verschiedene Bruchsteine zerteilt und dadurch grosse sichtbare Lücken geschaffen. Diese unübersehbaren Öffnungen erinnern daran, dass die Opfer willkürlich aus dem Leben gerissen wurden, nur weil sie Juden waren.  
Die innerhalb des Mauerverbunds fehlenden Steine wurden in unregelmässigen Abständen auf die Mauerkrone gesetzt in Anlehnung an den jüdischen Brauch, zum Andenken an die Verstorbenen Steine auf die Gräber zu legen. Die im Verlauf der Mauer angebrachten 22 Edelstahltafeln erinnern an die Ermordeten.

Zwei grosse Tafeln auf den Pfeilern im Eingangsbereich enthalten weitere Erläuterungen zur Geschichte der jüdischen Gemeinde und der Geschehnisse während der NS-Zeit. Unmittelbar vor der Mauer wurde ein ca. 100 qm grosser, ebenfalls mit Sandsteinen gepflasterter Platz geschaffen.

Auf Vorschlag von Ernst Klein trägt dieser im Mittelpunkt der Stadt liegende Platz jetzt die Bezeichnung “Platz der gegenseitigen Achtung” und ist eine würdige Versammlungsstätte für die vom Verein Rückblende Gegen das Vergessen regelmässig am 9. November und 27. Januar durchgeführten Gedenkveranstaltungen.

Das gesamte Bauwerk wurde vom Verein in ehrenamtlicher Arbeit geplant, errichtet, überwiegend durch Spenden und freiwillige Arbeitsleistungen finanziert und am 25. Mai 2005 unter Beteiligung zahlreicher Bürgerinnen und Bürger der Öffentlichkeit übergeben. Die Stadt Volkmarsen hat das Projekt u.a. durch die Erstellung der Fundamente unterstützt.

In kürzester Zeit ist der neu geschaffene Platz mit seiner besonderen Symbolik zu einem lebendigen Ort der Auseinandersetzung mit einem bisher verdrängten Teil der Stadtgeschichte geworden.

Das persönliche Schicksal der Ermordeten wurde vor dem Vergessen bewahrt und in den unübersehbaren Blickpunkt der Volkmarser Einwohner gestellt. Oft sieht man Menschen aller Altersgruppen, die auf ihrem Weg an der Mauer innehalten und die Gedenktafeln aufmerksam lesen.

Bei den von uns regelmäßig durchgeführten Stadtführungen ist der “Platz der gegenseitigen Achtung” sehr schnell zu einem Mittelpunkt geworden. Besuchergruppen und Schulklassen aus der ganzen Region informieren sich hier auf anschauliche Weise über die weitgehend unbekannten Geschehnisse unerer jüngeren Geschichte.

Die bisherigen Erfahrungen seit Fertigstellung haben gezeigt, dass dieses Bauwerk einen dauerhaften Beitrag dazu leisten wird, die Menschen in aller Öffentlichkeit zum Nachdenken und Diskutieren über die möglichen Folgen von Rassenhass, Antisemitismus und Ausgrenzung von Minderheiten anzuregen.

Text der Gedenktafel am Eingang des jüdischen Friedhofes:

Gemieden - Gedemütigt - Verjagt - Deportiert - Ermordet
Zur Erinnerung an die jüdischen Bürger der Stadt Volkmarsen
Ihr Leid begann in unserer Mitte

25.05.2005 Die Mitglieder des Vereins Rückblende Gegen das Vergessen e.V., Volkmarsen
Die jahrhundertelang in Volkmarsen bestehende jüdische Gemeinde wurde in der Zeit von 1933 bis 1942 durch erzwungene Emigration oder Ermordung ihrer Mitglieder vollständig ausgelöscht.

Gedenkinitiative zum Ende des 2. Weltkrieges

2020 jährte sich das Ende des Zweiten Weltkriegs und der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft zum 75. Mal. Mit dieser Internetseite wollen die NS-Gedenkstätten und Gedenkinitiativen einen Beitrag zu einem differenzierten Bild auf das Kriegsende und den Umgang mit der Vergangenheit seit 1945 beitragen.

Die Eindrucksvolle Aktion wird in diesem Jahr wiederholt. Nähere Informationen zur Veranstaltung am 27.01.2021 finden Sie auf der Startseite